Wenn der Religionsphilosoph Martin Buber sagt, „Alles wahre Leben ist Begegnung“, so trifft er damit bei den Menschen genau den Punkt, die Begegnung suchen und schenken möchten. Für die Frechenerin Karin Lange war es nach 30 Jahren Berufstätigkeit als medizinische Fachangestellte in einer Arztpraxis „Liebe auf den ersten Blick“, als sie 2014 der Idee ihrer Freundin folgte, sich für die Paul Kraemer Häuser ehrenamtlich zu engagieren. Einmal pro Woche nahm sie sich Zeit für eine besondere Begegnung. Mit einer Bewohnerin unternahm sie Spaziergänge in der Frechener City und entwickelte schnell eine freundschaftliche Beziehung. „Ich merke immer wieder, dass es mir sehr gut tut, mit Menschen zusammen zu sein“, berichtet Karin Lange, die nur wenige Monate nach dem Start ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit sogar eine Jobanfrage erhielt: Im Paul Kraemer Haus Buschbell gab es für sie die Möglichkeit, eine hauptamtliche Tätigkeit als pflegerische Betreuungskraft anzunehmen. Lange überlegen musste sie da nicht und schickte ihre Bewerbung ein.

Würde sie nun ihr Ehrenamt abgeben? Nein, das kam ihr zu keinem Zeitpunkt in den Sinn. So kümmerte sich Karin Lange samstags über zwei Jahre um eine Bewohnergruppe, die am Reitangebot des Pferdesport- und Reittherapie Zentrums (PRZ) in Frechen-Buschbell teilnahm. Aus privaten Gründen entschied sie sich jedoch, am Wochenende wieder mehr für ihre Familie da zu sein. Da kam es wie gerufen, dass die Gold-Kraemer-Stiftung ihr eine neue Möglichkeit im Lea-Leseclub anbieten konnte. Der Lea-Leseclub ist ein offenes Angebot für Menschen mit geistiger Behinderung, die sich immer freitags im inklusiven Begegnungs- und Tagungszentrum der Gold-Kraemer-Stiftung in Frechen-Buschbell zum gemeinsamen Lesen treffen.

Zusammen mit Engelina Köster und zwei weiteren Ehrenamtlern kümmert sie sich um die Auswahl der Literatur in Leichter Sprache. „Das Thema Liebe ist gerade das, was unsere Teilnehmer*innen am meisten interessiert“, sagt die Frechenerin und erklärt, dass eine Geschichte eines jungen Mädchens mit Behinderung gerade die volle Aufmerksamkeit der Gruppe hat. Am Ende ist und bleibt es die Begegnung mit Menschen, die sie selber am meisten berührt. „Wir erleben bei unseren Treffs immer wieder aufs Neue, wie offen und herzlich die Teilnehmer sind und dies auch auf wunderbare Weise zum Ausdruck bringen“, sagt Karin Lange, die beim letzten Mal mit den Worten begrüßt und umarmt wurde, „Karin, ich habe schon auf Dich gewartet.“

Wer sich ebenfalls in der Gold-Kraemer-Stiftung engagieren möchte, meldet sich bei Jürgen Grans (juergen.grans@gold-kraemer-stiftung.de oder donnerstags telefonisch unter 02234-93303-57) oder Engelina Köster (engelina.koester@gold-kraemer-stiftung.de).