Eine Reise nach Edinburgh und die Wiederentdeckung eines besonderen Kirchenfensters.

Gastbeitrag von Pfarrer Thomas Schmidt, Ordens-Kaplan des Lazarus-Ordens: Auf seiner Urlaubsreise in Edinburgh besuchte er die St. Vincent Kapelle und entdeckte dort auf der Orgelempore ein Kirchenfenster, das die Eheleute Paul R. und Katharina Kraemer 1975 gestiftet hatten. Auf diesem ist das Familienwappen der Eheleute mit dem Spruch „Stärker als Schicksal ist Ertragen“ zu sehen. Er berichtet:

Edinburgh – die Hauptstadt Schottlands – war das Ziel einer besonderen Urlaubsreise. Ich war schon einige Male dort, aber diese Stadt hat ihre ganz speziellen Reize, die mich immer wiederbegeistern. Die Landschaft um Edinburgh herum ist traumhaft schön und mit dem Bus ist man im Nu an der Küste in Cramond. Überall taucht man tief ein in die Geschichte, zuweilen auch in die Filmgeschichte: Man trifft zum Beispiel auf die Rosslyn-Kapelle, ursprünglich Collegiate Chapel of St. Matthew genannt. Sie ist eine gotische Kirche aus dem 15. Jahrhundert. Durch das Buch und den Film ‚The da Vinci Code – Sacrileg‘ mit Tom Hanks ist sie weltberühmt geworden ist. Mein besonderes Augenmerk galt aber der St. Vincent Chapel am Rande von Edinburgh.

Von außen ist die Kapelle eher unscheinbar und erweckt den Eindruck, uralt zu sein. Sie wurde aber erst nach 1857 gebaut. Von 1971 bis 1996 war sie die Kirche unseres Lazarus-Ordens in Edinburgh. Das hat der Orden einem seiner prominentesten Rittern, Chev. Lieutenant Colonel Robert Gayre of Gayre and Nigg, Baron of Lochore, zu verdanken, der diese Kirche 1971 kaufte und dem Lazarus-Orden zur Verfügung stellte. Dementsprechend ist der Kirchenraum gestaltet. Man wird förmlich hineingezogen in die Heraldik (= Wappenkunde – Anm. der Redaktion) unseres Ordens, so über und über ist die Kapelle mit Wappen, Schilden, liturgischer Ausstattung und Fahnen gefüllt. Am auffälligsten ist jedoch das große Fenster über der Orgelbühne. Dieses aufwendige und prachtvolle Fenster ist eine Stiftung unseres langjährigen Gönner-Ehepaares Paul R. und Katharina Kraemer. Es zeigt das Wappen der Eheleute Kraemer mit einem sehr nachdenklich machenden Wahlspruch: Stärker als Schicksal ist Ertragen.

In der Mitte ist das Wappen der Eheleute Kraemer.

Man kann diesen Spruch, so glaube ich, nur verstehen, wenn man etwas aus dem Leben der Eheleute Kraemer weiß. 1953 kam ihr Sohn Rolf mehrfach behindert zur Welt. Das Ehepaar kümmerte sich 13 Jahre liebevoll um ihren Sohn in häuslicher Pflege, bevor er 1966 starb. Mit diesem Wissen wird der Wahlspruch der Kraemers verständlicher. Denn dieser zeugt von einem großen Gottvertrauen, welches das Ehepaar bis an ihr Lebensende begleitete. Dieses persönliche Wappen wurde dann auch das Wappen der Gold-Kraemer-Stiftung. Heute ist es eingebettet in das Logo, bestehend aus dem Schriftzug ‚Gold-Kraemer-Stiftung‘ und dem Claim ‚Wir Menschen gemeinsam‘.

Handgefertigte Zeichnung des Kirchenfensters, vermutlich von Paul R. Kraemer erstellt.

Auch wenn der Wappenspruch in unserer modernen Welt befremdlich klingen mag, so hat er nach wie vor seine Bedeutung. Machen wir uns bewusst, dass im Wort „Ertragen“ die Wortwurzel „Tragen“ steckt. In unserem christlichen Verständnis hat das Wort „Tragen“ eine fundamentale Bedeutung. Im Brief des Apostel Paulus an die Galater heißt es: „(…) Einer trage des andern Last (…).“ Die Eheleute Kraemer haben ihren Wappenspruch immer wieder mit Leben gefüllt. So förderte Generalkonsul Paul R. Kraemer als unserer Lazarus-Erbkommendator den Aufbau des Lazarus-Hilfswerkes in Deutschland maßgeblich, das Menschen in Not nicht nurvor Ort sondern auch in Europa auf vielfältige Weise bis zum heutigen Tag unterstützt.

Fotos und geschrieben von Pfarrer Thomas Schmidt, Ordens-Kaplan des Lazarus-Ordens – Humanitäres Grosspriorat Europa